Erschaffungsmythos - 2. Geschichte

Die Rhejvandari

achdem Rhejvan in drei mal drei Tagen seine neue Welt geschaffen und sie mit Pflanzen und Tieren bereichert hatte, überlegte er lange, ob er es diesmal dabei belassen sollte. Zu oft waren seine früheren Welten zerstört worden, weil die Völker, die er erschaffen hatte, sie durch ihren eigenen Willen verändert und vernichtet hatten. Zu oft hatte er mit kummervollem Blick dem Ruin zusehen müssen. Daher war die Verlockung groß, es dieses Mal nicht soweit kommen zu lassen. Er wollte diesen schönen Ort nicht untergehen sehen. Doch als er seine Welt betrachtete und den Tieren zusah, wie sie umherliefen und sich an der Schönheit der Natur erfreuten, kam sie ihm unvollkommen vor. Es fehlte etwas, was das gesamte Erscheinungsbild abrundete. Und so überwand Rhejvan nach einigem Hin und Her seine Zweifel und schuf viele verschiedenartige, intelligente Wesen, die Rhejvandari.

Aus Sand und Lehm formte er mit viel Liebe die Hjalven. Sie sollten eines der größten Völker dieser Welt werden und sich überall dort niederlassen, wo es ihnen behagte.
Mithilfe von Pflanzen, Wasser und Gestein wurde das Volk der Leàren ins Leben gerufen, eine den Hjalven ebenbürtige Spezies mit chimärenhaftem Äußeren. Ihnen sollte es möglich sein, sich im Flachland, im Gebirge und auch im Wasser aufzuhalten. Also gab Rhejvan ihnen Schwimmhäute, damit sie sich im Wasser gut fortbewegen konnten, und er schenkte ihnen einen langen, behaarten Schwanz sowie scharfe Krallen an Händen und Füßen, damit ihnen das Klettern und Springen leichtfiel. Obendrein gab er ihnen ihr ganz spezielles Merkmal, die langen, spitzen Ohren.

Die wichtigsten Unterschiede zu den Hjalven lagen jedoch in den Fähigkeiten, die der Gott seinen Kindern mitgab. Den Leàren vermachte er die Gabe, Magie anwenden zu können. Sie sollten ihrem Gott dienen, indem sie die Natur pflegten und behüteten, denn ohne diese würden auch sie nicht lange existieren. Damit wollte Rhejvan verhindern, dass die verschiedenen Völker seine Welt vernichteten, so wie schon oftmals zuvor, weil sie die Natur ausbeuteten und keine Rücksicht auf anderes Leben nahmen.
Die Hjalven macht er anpassungsfähig, so dass sie überall dahin gehen konnten, wo sie zu leben wünschten. Es sollte ihnen leichtfallen, neue Dinge zu erlernen und zu entdecken.
Doch Rhejvan beließ sein Schöpfung nicht bei diesen beiden Rassen. Es kamen noch weitere kleine Völker hinzu. Um die Muddlocks zu formen nahm er von allem ein wenig, denn diese Wesen sollten mit den verschiedenartigsten Gestalten aufwarten. Aus dem felsigen Gestein des Nordens erschuf er die kräftigen Breraks sowie die Kwors, und noch vielerlei andere Lebewesen erblickten zu dieser Zeit das Licht der Welt. Nicht alle von ihnen erhielten besondere Eigenschaften und nicht allen Rhejvandari gab er eine friedliche Gesinnung mit. So wollte Rhejvan das Gleichgewicht zwischen ihnen erhalten. Sollten die friedliebenden Völker zu sorglos und nachlässig mit dem Geschenk Rhejvans umgehen, würden die aggressiven diese zurechtweisen und auf den rechten Weg zurückbringen. Genauso würden auch die friedlichen Wesen dafür sorgen, dass keine zu großen Streitereien und Kämpfe auf der geliebten Welt Rhejvans stattfanden. All dies musste wohl überlegt und anschließend durchgeführt werden. Ganze drei Tage und Nächte dauerte diese Arbeit und Rhejvan gönnte sich nicht eher Rast, als bis er alles nach seiner Vorstellung erledigt hatte.



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