Erschaffungsmythos - 9. Geschichte

Die letzte Prüfung

ls die Wächter im Regenbogenturm auf Eldradorm trafen, klärte dieser sie über die Bedeutung dieser Stätte auf. Nachdem er die acht Gefährten in ihre zukünftigen Pflichten eingeweiht und ihnen auch einiges über sich selbst offenbart hatte, wandten sie sich sogleich der neuen Aufgabe zu. Sie setzten sich zusammen, um die Völker, die sie beschützen und leiten sollten, gerecht untereinander aufzuteilen.

Schnell war klar, dass sich Tha_Ira um die in den Wäldern hausenden Mudlokks kümmern würde. Bel-Saj wandte sich den Ildrets zu und El'Roth den Skeltianern, deren Erscheinungsform er liebte und selbst gern annehmen wollte. Nach und nach wurden so alle Völker auf die Wächter verteilt. Allein die Leàren blieben übrig, da sich niemand zutraute, diese Wesen in seine Obhut zu nehmen. Auch Rakhil, dem als einzigem noch kein Volk zugeteilt worden war, hatte Zweifel, ob er dieser Aufgabe gerecht werden konnte, da die Leàren nicht nur in seinem Wasserreich, sondern auch in Wäldern und felsigen Gegenden zu Hause waren.

Nach einigem Hin und Her trat Aarun'kal vor, da ihr eine Idee gekommen war.
"Spalten wir die Leàren doch einfach in mehrere Völker, mit verschiedenen Fähigkeiten."

Auf diese Idee war bisher niemand gekommen. Fragend sahen die acht Wächter zu Eldradorm, um sicher zu gehen, dass er damit einverstanden war.
Der Alte nickte bedächtig.
"Ihr seid für euer erwähltes Volk ein Vorbild. Indem ihr es schafft, euch untereinander zu einigen, werdet ihr für eure Schützlinge eine viel größere Hilfe sein. Ich werde euch immer mit meinem Rat zur Seite stehen, aber ihr müsst auch selbst Entscheidungen treffen können.
Die Teilung der Leàren in mehrere neue Völker befürworte ich. Jedoch solltet ihr nicht zu oft in die Schöpfung des großen Rhejvan eingreifen, um seine Werke nach euren Wünschen zu verändern. Ihr könnt euch auch zu mehreren um ein Volk oder ein Landschaftsgebiet kümmern."

Erneut setzten sich die acht Wächter zusammen und beratschlagten über ihr weiteres Vorgehen. Sie betrachteten die einzelnen Rassen und ihre Fähigkeiten genauer und teilten sie schließlich so untereinander auf, dass die typischen Merkmale oder Vorlieben der Völker mit den Eigenschaften der Wächter weitestgehend übereinstimmten.
Die Leàren wurden in die heute bekannten Rassen aufgeteilt, wovon jede der drei ein anderes Merkmal behielt. So bekam Rakhil die Sinraj-Leàren, die für das Leben im und am Wasser bestimmt waren, Tha_Ira wurde Beschützerin der naturverbundenen Vahnia-Leàren und die Can'thi erhielt Aarun'kal als Dank für ihre Idee.

Die herenidischen Völker der Brún und der Breraks, wurden Kay-Thrijs beziehungsweise El'Roth zugeordnet. Während die Wächter noch überlegten, wem sie die große Gruppe der Hjalven anvertrauen sollten, schlug Eldradorm ihnen vor, dass sie sich doch alle gleichermaßen diesem Volk widmen sollten und hier wollte sogar Eldradorm selbst in die Entscheidungen mit einbezogen werden.
"Haben wir denn jetzt alle Prüfungen erfolgreich bestanden?", fragte Var'is ungeduldig, denn mittlerweile war sie neugierig auf die große weite Welt geworden und freute sich sogar darauf, endlich die ihr zugeteilten Länder und Rhejvandari kennenzulernen.
Eldradorm wiegte bedächtig den Kopf, dann meinte er:
"An und für sich war dies eure letzte Prüfung, doch sagt selbst, ist nicht gerade das, was ihr ab heute beginnen werdet, die größte und schwerste Prüfung überhaupt? Ihr müsst nun hinaus in die Welt ziehen und euch um das Leben außerhalb des Regenbogenturmes kümmern."

Die Wächter nickten zustimmend, wenn auch zögerlich. Nun mussten sie sich auf unbestimmte Zeit trennen und jeder würde seinen Weg allein gehen. Sie wussten jedoch, dass sie jederzeit zurückkehren und ihre Erfahrungen austauschen konnten.
Var'is, die stürmischste unter allen, winkte den restlichen Wächtern kurz zu und brach als erste auf. Auch die übrigen verließen einer nach dem anderen den Regenbogenturm, jedoch nicht ohne sich vorher noch gegenseitig Glück gewünscht zu haben.



Nächste Geschichte
Buch der Mythen