Erschaffungsmythos - 4. Geschichte

Die Geburt der Wächter

ach Rhejvans Tod war die soeben erst geborene Welt noch unschuldig und unerfahren wie ein kleines Kind. Sie rief nach ihrem Schöpfer, denn sie sehnte sich nach einer starken Hand, die sie führte und vor drohendem Unheil bewahrte. Rhejvan war fort, doch die Seele des mächtigen Gottes, all seine Hoffnungen und Träume waren allgegenwärtig, und tief im Kern von Rhejvandar schlug sein feuriges Herz.

In der folgenden Zeit ereigneten sich einige sehr merkwürdige Dinge. Weit im Norden türmten sich Eismassen zu einer riesigen Säule auf, die wenig später zu tauen begann und aus ihrem Inneren einen Körper freigab. Kay-Thrijs, die Wächterin des Eises war geboren.
Kaum dass sie erwacht war, begann sie sich zielstrebig in Richtung Süden zu bewegen. Ohne große Hast, aber sehr bestimmt, bahnte sie sich ihren Weg.

Im Süden des Landes, auf einer kleinen Insel, begannen die Berge Feuer zu spucken. Aus der brodelnden Glut eines Vulkankraters entstieg Aarun'kal, die Wächterin des Feuers. Sobald sie die Augen öffnete, folgte sie einer inneren Stimme, die ihr befahl sich zu einem von ihr aus nördlich gelegenen Ort zu begeben.

In der westlich gelegenen Wüste Ybra brannte die Sonne noch heißer und heller als für gewöhnlich. Mit ihren sengenden Strahlen sandte sie Bel-Saj, den Wächter des Lichtes nach Rhejvandar. Kaum angekommen, brach dieser sofort nach Osten auf.
Unterdessen hatten sich am östlichen Himmel riesige Wolken zusammengeballt und ein schwerer Gewittersturm zog herauf. Ein greller Blitz flog auf den Erdboden zu und verursachte einen Funkenregen, aus dem eine weitere Gestalt hervortrat. Var'is, die Wächterin der Luft und der Stürme erblickte zum ersten Mal das Licht der Welt. Auch sie setzte sich in Bewegung und hielt dabei Kurs nach Westen.
Aber das war längst nicht alles. Noch vier weitere Wächter wurden auf ähnliche Weise an verschiedenen Orten Rhejvandars erschaffen. In den felsigen Gebirgen Nyrions kam El'Roth, der Wächter der Erde, aus den Hallen von Malintum. Tha_Ira, die Wächterin des Waldes, wurde in den Nebelwäldern Elmjards zum Leben erweckt. Ghomol, der Wächter der Sümpfe tauchte aus dem giftigen Schlamm eines großen Moores auf, und auch das Meer wollte seinen Anteil beitragen. So schoss im Südosten Rhejvandars eine gewaltige Wasserfontäne aus dem Ozean empor und gebar Rakhil, den Wächter des Wassers.
Die wundersamen Geschöpfe schienen allesamt ein und dasselbe Ziel zu haben. Unaufhaltsam schritten sie voran, ohne dabei den Boden zu berühren, und nichts konnte sie aufhalten.



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