Erschaffungsmythos - 3. Geschichte

Rhejvans Tod

ls der große Gott Rhejvan diese Welt erschuf, brauchte er ganze zwölf Tage für sein Werk. Drei, um Berge, Täler, Seen und Flüsse zu formen. Drei, um den nackten Boden mit grünenden und blühenden Pflanzen zu schmücken und weitere drei, an denen er den Tieren das Leben schenkte. Zu guter Letzt erschuf er die Rhejvandari und es vergingen wiederum drei Tage.

Schließlich war alle Arbeit getan und Rhejvan hätte fortan zufrieden auf sein Werk schauen können. Doch gar zu sehr hatte er sich bei seinem Tun verausgabt. Völlig erschöpft sank der Gott auf jenem Boden nieder, den er gerade erst vor kurzem mit seinen eigenen Händen erschaffen hatte. Rhejvan fühlte, dass ihn seine Kräfte mehr und mehr verließen, unaufhaltsam rann das Leben aus seinem Körper.

Sterbend, aber dennoch voller Stolz, ließ er seinen Blick über die neue Welt schweifen. Doch noch immer schien ihm sein Werk nicht vollendet. Etwas kleines, aber sehr wichtiges fehlte noch. Etwas, was diese Welt von all den anderen unterscheiden sollte.

Rhejvan wusste, dass es schon bald mit ihm zu Ende gehen würde. Ihm blieb nicht mehr viel Zeit. Mühevoll richtete sich der Gott ein wenig auf, um noch einmal seine Arbeit zu betrachten. Sein Herz begann bei der Anstrengung schmerzhaft zu pochen und in diesem Augenblick wusste Rhejvan, was er noch zu tun hatte.
Wild entschlossen nahm er all seine verbliebene Kraft zusammen, riss sich sein Herz aus der Brust und rammte es anschließend tief in den Boden, in das Innerste der von ihm geschaffenen Welt.
Und mit ersterbender Stimme sprach er: "Rhejvandar - das möge von heute an bis in alle Ewigkeiten dein Name sein. Rhejvandar, das Herz des Rhejvan!"
Mit diesen Worten schloss der große Gott Rhejvan für immer die Augen.



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