Beschwörungszauber

Neugierig fragst du Zhorthémus nach den Beschwörungszaubern. Bedächtig wiegt der Magier sein Haupt hin und her, so als wäre er unschlüssig, wie er am besten anfangen sollte.

   "Bei den Beschwörungszaubern unterscheiden wir zwischen zwei Arten. Zum Einen gibt es die Beschwörung, bei deren Anwendung Tiere oder andere Wesen scheinbar aus dem Nichts erschaffen werden. Dieser Zauber setzt voraus, dass der Magier die zu beschwörenden Kreaturen zuvor schon mindestens einmal gesehen hat. Außerdem benötigt er einen kleinen Teil des entsprechenden Lebewesens, beispielsweise Haare oder Zähne. Aus reiner Vorstellungskraft können keine Beschwörungen erzeugt werden, das bedeutet, allmächtige Fabelwesen wird es lediglich in unseren Träumen geben."

An dieser Stelle macht der alte Magier eine kurze Pause und blickt dich eindringlich an, was dich noch einmal über seinen letzten Satz nachdenken lässt. Dabei fällt dir auf, dass diese Einschränkung nur von Vorteil sein kann, denn sie macht es unmöglich, irgendwelche Überwesen zu erschaffen, die nur auf der Vorstellungskraft des Zaubernden beruhen. Während eines Kampfes zwischen zwei oder mehreren Magiern würde somit nichts erschaffen werden können, was die Beschwörung des anderen stets aufs Neue übertrumpft. Mit innerer Zufriedenheit über diese Erkenntnis wartest du, bis Zhorthémus fortfährt.

   "Ein starker Magier wird die von ihm beschworene Kreatur natürlich wesentlich besser beherrschen und lenken können als ein weniger geübter. Je nach eingesetzter Krélmenge steigt die Erfolsgchance für einen solchen Zauber. Auch muss mehr Krél aufgewendet werden, um ein sehr großes Wesen zu beschwören oder um die Dauer des Zaubers zu verlängern.

Soviel dazu, kommen wir nun zum zweiten Punkt, einer abgeschwächten Form der Beschwörungsmagie, die man als Herbeirufung bezeichnet. Diese wird oft von unseren Schülern verwendet, deren Erfahrung für die reine Beschwörung noch nicht ausreicht. Auch wenn gerade nicht genügend Utensilien zur Anwendung der höheren Magieform zur Verfügung stehen, kann man auf die Herbeirufung zurückgreifen, denn dafür werden keinerlei Hilfsmittel benötigt. Wichtig ist nur, die Laute der Tiere zu kennen und nachahmen zu können. Hier werden real existierende Wesen aus der Umgebung herbeigerufen, es findet keine Materialisierung aus magischer Energie statt. Die Reichweite des Zaubers hängt dabei von den Fähigkeiten des jeweiligen Magiers ab. So ist es möglich, dass der Zauber einfach verpufft, weil sich keines der gerufenen Wesen im entsprechenden Umkreis befindet. Es kann außerdem vorkommen, dass sich die Kreatur dem Ruf trotz des mitschwingenden Kréls widersetzt. Deshalb ist diese Art der Magie nicht immer von Erfolg gekrönt."


Schmunzelnd beendet Zhorthémus seinen Vortrag und schaut dich aufmerksam an, ob du noch weitere Fragen zu diesem oder einem anderen Thema hast. Du lässt dir die vielen Informationen jedoch erst einmal in Ruhe durch den Kopf gehen, zur Zeit gibt es nichts, was du noch über die Beschwörungsmagie wissen möchtest.




Schule der Magier