Mentalzauber

Nach einigem Überlegen bittest du den alten Meister um ein paar Informationen zu den Mentalzaubern. Zhorthémus räuspert sich kurz, dann beginnt er seinen kleinen Vortrag.

   "Unter die mentale Magie fallen alle Arten der geistigen Einwirkungen, die ein Magier auf andere Personen ausübt. Die Anwendung dieser Zauber ist für Außenstehende meist nicht erkennbar. Oftmals reicht die Konzentration des Zauberers aus, so dass er nicht auf sonstige Hilfsmittel zurückgreifen muss.
Je nach Art des Zaubers, der Menge des zur Verfügung stehenden Kréls, egal ob es sich dabei um körpereigenes oder aus Krélsteinen entnommenes handelt, sowie der geistigen Fähigkeiten des Magiers, bedarf es einer unterschiedlich starken Konzentration, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Nur mit einem gut geschulten Auge kann man einen Mentalzauber bereits vor Eintritt des Effektes erkennen und unterbrechen, indem man den Zaubernden stört, während dieser sich konzentriert. Besonders unerfahrene Magier lassen sich leicht ablenken, wodurch der Zauber oftmals misslingt."


Geduldig hörst Zhorthémus zu. Als dieser eine kleine Pause einlegt, nutzt du die Gelegenheit und bittest ihn, dir über die verschiedenen Mentalzauber zu berichten, die es in Rhejvandar gibt. Lächelnd hebt der weise Mann seine Hände.

   "Nur Geduld, dazu werde ich jetzt kommen. Wir unterscheiden hier zwischen sieben Formen der Mentalzauber. Ich werde sie dir nacheinander erklären, also hör gut zu.

Eine hier in Wunabba oft verwendete Form ist die Telepathie. Wenn sie von zwei Magiekundigen ausgeübt wird, kann auf diesem Wege eine stumme Unterhaltung stattfinden, ohne dass Unbeteiligte etwas davon bemerken. Dabei werden Informationen mithilfe von Gedankenübertragung ausgetauscht, was stets auf freiwilliger Basis stattfindet. Sollte einer der Beteiligten kein Interesse an diesem Austausch haben, so kann er bei der reinen Telepathie nicht zum Antworten gezwungen werden.

Der Telepathie am ähnlichsten ist das Gedankenlesen. Im Gegensatz zur Telepathie ist es hierbei möglich, die Gedanken einer anderen Person ohne deren Einwilligung zu lesen. Das Opfer bemerkt meistens nicht einmal etwas von diesem Vorgang. Da es ein unerlaubtes Eindringen in die Gedankenwelt anderer Individuen darstellt, genießt das Gedankenlesen in der Regel kein sehr hohes Ansehen und ist in unserer Stadt verboten. Rechtschaffene und ehrliche Magier nutzen daher diese Art der Mentalauber nur in sehr seltenen Ausnahmesituationen und meist in Kombination mit der Telepathie, so dass sie in besonderen Fällen auch mit nicht magiebegabten Rhejvandari kommunizieren können.
Glücklicherweise ist es nur möglich, jene Gedanken zu lesen, die der Zielperson zum gegenwärtigen Zeitpunkt gerade durch den Kopf gehen. Auf Erinnerungen kann nicht ohne weiteres zugegriffen werden. Dadurch kann größerer Schaden verhindert werden, solange es dem Eindringling nicht gelingt, sein Opfer dazu zu bringen, an bestimmte Ereignisse zu denken.

Doch damit kommen wir schon zur nächsten Form der Mentalzauber: die Beeinflussung. Mithilfe derer ist es möglich, die Gedanken oder Taten eines anderen Rhejvandari zu manipulieren. So kann der Zauberkundige sein Opfer dazu bringen, bestimmte Handlungen auszuführen, die es unter normalen Umständen nicht tun würde. Gleichermaßen kann das Preisgeben bestimmter Informationen erzwungen werden. Die Zielperson bemerkt normalerweise erst nach Abklingen des Zaubers, dass sie ihrem eigentlichen Willen zuwider gehandelt hat. Der Magier kann sie jedoch schon während des Zaubers wissen lassen, dass sie manipuliert wird, allerdings ist dies auch ein Risiko, da das Opfer sich so eventuell gegen den Zauber wehrt. Besonders mächtige Magier sind in der Lage, den Beeinflussten auch noch über den eigentlichen Zauber hinaus glauben zu lassen, dass er aus eigenem Willen gehandelt hat.
Ob und wie gut ein Beeinflussungszauber funktioniert, liegt zum einen an den Fähigkeiten des Anwenders, zum anderen an der Willensstärke des Opfers. Ein Rhejvandari mit sehr ausgeprägtem Bewusstsein und starker Willenskraft kann möglicherweise einer Beeinflussung standhalten oder zumindest den Effekt mindern.

Schließlich gibt es noch die Illusionszauber, bei denen man in die Gedankenwelt anderer Personen eindringt, dort Trugbilder erzeugt, die ihnen aber vollkommen real erscheinen. Der Magier projiziert dabei Bilder aus seiner eigenen Vorstellung entweder nach außen oder direkt in die Gedanken der Opfer. Im letzteren Fall ist die Illusion direkt auf eine oder mehrere Individuen gerichtet und wird nur von diesen wahrgenommen. Je nach Stärke des Zaubers hält eine solche Illusion unterschiedlich lange an. Ein Trugbild, das direkt in die Umgebung projiziert wird, ist dagegen für jeden sichtbar, der sich in ihrer Nähe befindet. Diese Art der Illusionszauber erfordert die Anwesenheit des Magiers, denn sie verschwinden, sobald dieser sich zu weit entfernt. Auch erlischt das Trugbild, sobald sich eine andere Person unmittelbar zu jener Stelle bewegt. Solange aber niemand mit der Illusion in Berührung kommt, lässt diese sich kaum von der Realität unterscheiden."


Nach dieser langen Erklärung legt Zhorthémus erst einmal einige Schweigeminuten ein, um seine Gedanken zu sammeln, dir etwas Zeit zu geben, darüber nachzudenken und sich die Worte für die restlichen drei Arten der Mentalzauber zurechtzulegen.

   "Die nächsten beiden Formen sind recht ähnlich. Die eine ist das Hellsehen. Derartige Fähigkeiten ermöglichen es, zukünftige Ereignisse zu erahnen und vorauszusehen. Je mehr Krél dem Magier dabei zur Verfügung steht, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, ein kommendes Ereignis vorherzusehen. Ein mächtiger Zauberer kann einen klareren Blick in die Zukunft werfen, während Anfänger oftmals nur eine von vielen Möglichkeiten sehen, wie sich eine zukünftige Situation entwickeln könnte. Ebenso ist es ihnen auch nicht möglich, Bilder hervorzurufen, die sehr weit in die Zukunft reichen.
Soll die Hellseherei für eine ganz bestimmte Person eingesetzt werden, so ist es vorteilhaft, einen Gegenstand der betreffenden Person als Hilfsmittel zu nutzen, um sich besser darauf konzentrieren zu können.

Die dem Hellsehen sehr ähnliche Form nennen wir Visionen. Diese werden jedoch vom Magier nicht bewusst herbeigeführt, sondern treten spontan auf und bedürfen auch keiner speziellen Hilfsmittel. Im Gegensatz zum Hellsehen sieht der Magier bei einer Vision nicht nur zukünftige Ereignisse, diese können genauso gut aus der Vergangenheit oder Gegenwart stammen. Dabei lässt sich nicht immer auf Anhieb erkennen, aus welcher Zeit die Botschaft stammt.

Zu guter Letzt kommen wir zur Telekinese. Damit ist es möglich, Gegenstände ohne körperliche Einwirkungen zu bewegen. Welches Gewicht der zu bewegende Gegenstand besitzt und wie weit er transportiert werden kann, hängt davon ab, wie hoch die Menge des eingesetzten Kréls ist und wie gut die mentalen Fähigkeiten des Magiers ausgebildet sind.
Telekinese kann zum Beispiel in Gefahrensituationen nützlich sein, wenn die eigene Bewegung eingeschränkt oder verloren ist und lebensgefährdende Momente verhindert werden sollen. Auch kann man mittels Telekinese an Gegenstände gelangen, die sich außerhalb der eigenen Reichweite befinden, oder schwere Hindernisse aus dem Weg räumen.

Nun, ich hoffe, ich konnte dir diesen Bereich verständlich näher bringen."


Der weise Magier beendet seinen Vortrag. Während du die Informationen noch einmal überdenkst, wartet er geduldig, ob du noch weitere Fragen zu diesem oder einem anderen Thema hast.



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