Elementarzauber

   "So so, du möchtest also etwas über die Elementarzauber erfahren?"

Efreut blickt Zhorthémus dich an. Mit diesem Gebiet scheinst du wohl auf eines seiner Lieblingsthemen gestoßen zu sein, denn der Magier beginnt sogleich eifrig seinen Vortrag.

   "Fangen wir zunächst mit den Grundlagen der Elementarzauber an, den Elementen selbst. In unserer Welt kennen wir derzeit sechs davon. Um ihre Beziehung zueinander besser veranschaulichen zu können, hat man ein Modell erfunden, welches wir als den Elementarkreis bezeichnen."

Mit einer Handbewegung befiehlt er einer größeren Schriftrolle, ihren Platz im Regal zu verlassen und sich in der Luft vor dir auseinander zu rollen. Neugierig betrachtest du das leicht auf und ab schwebenden Pergament, auf dem drei große Kreise mit verschiedenen Symbolen abgebildet sind. Zhorthémus weist auf die Zeichnung und fährt fort:

   "Diese Ringe, die du hier siehst, sind die drei Ebenen des Elementarkreises. Auf ihnen sind die Elemente angeordnet, du erkennst sie an den verschiedenen Symbolen. Wie das Pergament zeigt, sind die Elemente nicht gleichmäßig auf den Ebenen verteilt. Erde, Wasser und Luft bilden eine Gruppe, welche die mittlere Ebene einnimmt. Diese drei sind die Grundelemente, denn sie sind, bis auf wenige Ausnahmen, an allen Orten Rhejvandars anzutreffen, also allgegenwärtig. So enthält das Wasser der Meere, Seen und Flüsse stets Sauerstoff oder andere gasförmige Stoffe. Auch feste Partikel des Erdelements, sei es nun gelöst oder als feinste Schwebeteilchen, sind aus dem Wasser nicht wegzudenken. Bei der Luft denke man nur mal an verdunstendes Wasser und an den Staub, und dass im Erdreich sowohl Wasser als auch Luft enthalten ist, ist sicherlich jedem bekannt. Du siehst also, diese drei Elemente sind in der Natur stets eng miteinander verwoben und bilden somit eine feste Einheit.

Betrachten wir uns nun die innere Ebene. Dort finden wir zwei gegensätzliche Elemente, das Eis und das Feuer. Diese beiden werden in der Magie als Mischelemente angesehen, da sie sich aus einer Kombination der drei Grundelemente erzeugen laasen. Zwar findet man Feuer und Eis in unserer Welt durchaus auch als reines Element, doch sind sie in dieser Form an spezielle Orte, Ereignisse oder Zeiten gebunden. Vulkane, Eiswüsten, Brände oder Frostperioden sind nur einige Beispiele hierzu. Dennoch kann man Feuer- und Eiszauber auch unabhängig der eben genannten Faktoren erzeugen, wenn man die drei Grundelemente beherrscht und in der richtigen Weise miteinander kombiniert. Während das Element Eis sich in erster Linie aus Wasser und sehr kalter Luft zusammensetzt - Erde spielt dabei eine untergeordnete Rolle, besteht Feuer aus Erde und sehr heißer Luft - hier ist das Wasser das rangniedrigste Element. Es ist schwerer Feuer- und Eiszauber aus den Grundelementen zu mischen, als wenn man die reinen Elemente Feuer und Eis zur Verfügung hat. Schließlich muss der Magier hierbei drei Elemente gleichzeitig steuern, anstatt nur eines. Ich denke, das ist einleuchtend!

Zu guter Letzt bleibt noch das Element Licht. Dieses befindet sich auf dem äußeren Kreis, da es allumfassend und alleinstehend ist. Licht gibt Hoffnung, erhellt die Welt und den Geist. Ist das Element nicht vorhanden, so tritt automatisch Dunkelheit, das Gegenteil von Licht, ein. Und wo Licht ist, befindet sich auch immer Schatten."


Nach diesem Redeschwall legt Zhorthémus eine kleine Pause ein. Du hast Zeit, dir die Worte noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen und alles zu verstehen. Schließlich nickst du deinem Gegenüber freundlich zu, um ihm zu zeigen, dass er fortfahren kann.

   "Auf Rhejvandar existieren nun zu jedem Element sogenannte Elementarfelder. In der Nähe der magischen Steinsäulen, welche auch Aeopyrithen genannt werden und die sich durch überschüssiges Krél aus dem Inneren unserer Welt bilden, sind diese Felder am größten. Zudem werden sie durch die Elemente, die in der Umgebung gehäuft vorkommen, verstärkt, so ist es theoretisch in Frostgebieten wesentlich einfacher, einen Eiszauber zu tätigen, als einen dem gegensätzlichen Element Feuer zugeordneten. In der Praxis muss man dabei aber auch noch einen anderen Faktor mit einbeziehen. Die Elementarfelder werden von uns genutzt, um den jeweiligen Zauber aufzurufen. Je mächtiger diese Felder sind, desto stärker kann der gewirkte Zauber sein."

Warnend blickt dich Zhorthémus an.

   "Jedoch ist es auch wesentlich gefährlicher und anstrengender, an diesen Orten ein Element heraufzubeschwören. Je stärker ein bestimmtes Elementarfeld vertreten ist, um so schwerer ist es zu zähmen. Ist der Magier nicht mächtig genug, um die Kräfte zu beeinflussen und in die von ihm gewünschte Richtung zu lenken, so können schwere Katastrophen die Folge sein. In den krélreichen Gebieten, wo die Elementarfelder sehr stark sind, muss sich der Magier sehr viel mehr anstrengen, um das gewünschte Elemente zu zaubern.

Elementarzauber gehören zur Bewegungsmagie. Sie werden durch Gesten, Tänze oder ganz bestimmte Bewegungsabläufe erzeugt. Für eine schwache Wirkung, wie beispielsweise einer kleinen Flamme zum Anzünden einer Fackel, reichen oftmals schon einfache Handbewegungungen, bei großen Zaubern, wie schweren Erdbeben, oder in stark ausgeprägten Energiefeldbereichen kann es passieren, dass der Magier mit höchster Konzentration und Körperbeherrschung agieren muss, manchmal bis zur völligen Erschöpfung. Elementarmagier werden daher hier in Wunabba mit Vorsicht ausgebildet. Es ist nicht nur wichtig, dass sie ein ausgeprägtes Gespür für magische Felder besitzen, sie müssen auch körperlich fit sein und ihre Bewegungen kontollieren können, um nicht irrtümlich einen Zauber zu entfachen. Daher gibt es für diese Sparte auch extra Unterricht in Körperbeherrschung, nur die Besten werden schließlich zu Elementarmagiern ausgebildet."





Schule der Magier