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Am 23. Hjalmaar eines jeden Jahres, wenn in anderen Städten Rhejvandars die Erntefeierlichkeiten bereits beendet wurden, beginnt in Wunabba das Fest der tausend Zauber. Nur während dieser Zeit öffnet die Stadt, zu der in der Regel ausschließlich magisch begabte Rhejvandari Zutritt erhalten, ihre Tore auch für die normale Bevölkerung und lädt zu einem der größten Magiespektakel der Welt ein. Der Alltag der Hexenmeister und -lehrlinge sieht ein konzentriertes Studium vor, welches wenig Abwechslung und Freizeit lässt. Sobald jedoch die Vorbereitungen zum Fest beginnen, vergessen alle Bewohner ihren herkömmlichen Lebensrhythmus und die sonst so ruhige Stadt erwacht zum Leben. Zauberkundige aus aller Welt kommen extra zu diesem Ereignis nach Wunabba, um dort miteinander zu feiern und in Magiewettstreiten ihr Können unter Beweis zu stellen. Überall in der Stadt, die während dieser vier Tage einem riesigen Jahrmarkt gleicht, haben Magier, Gaukler und Wahrsager ihre Zelte aufgeschlagen. In den unzähligen Buden, die sich wie bunte Ketten durch die Straßen und Plätze ziehen, werden die absonderlichsten Dinge angeboten. Viele der Gäste nutzen das Fest, um Magiezutaten oder Relikte zu erwerben, denn zu keiner anderen Zeit und an keinem anderen Ort findet man so viele seltene Dinge auf einem Haufen und zu so günstigen Preisen.
Für die größten Attraktionen sorgen jedoch die Magier selbst. Da werden Feuerkugeln wie von Geisterhand durch die Luft gewirbelt. Wunderschöne, filigrane Eisskulpturen, die trotz Wüstenhitze nicht zu schmelzen beginnen, bieten Schaulustigen jede Menge zum Betrachten und kleine Figürchen aus Holz, Stein oder Papier erwachen zum Leben und marschieren lustig auf und ab.
Aber nicht nur spektakuläre oder hübsch anzusehende Attraktionen werden den Zuschauern geboten. Auch für die Lachmuskeln wird ausreichend gesorgt, denn so manch ahnungsloser Passant findet sich plötzlich als Opfer für den ein oder andern Schabernack wieder. So kommt es nicht selten vor, dass aus einer harmlosen Wasserpfütze eine Fontäne emporschießt und alle Umstehenden durchnässt. Beim Verzehr der angebotenen Speisen und Leckereien kann es durchaus passieren, dass das Gesicht eines Besuchers dieselbe Färbung wie der Fruchtbonbon annimmt, auf dem er gerade genüsslich herumlutscht, und nicht selten hüpft einem verdatterten Zuschauer die gerade gekaufte Schmalzstulle wie eine lebendige Kröte aus der Hand und verschwindet um die nächste Ecke.
Die Abendstunden des letzten Festtages stellen den Höhepunkt der vier Tage dar. Auf dem großen Marktplatz in der Mitte der Stadt versammeln sich alle Besucher, Schausteller und Magier, um gemeinsam die Feierlichkeiten ausklingen zu lassen. Instrumente spielen wie von selbst Melodien, die auch den größten Tanzmuffel dazu bringen, sich im Takt zu bewegen. Für das kulinarische Wohl sorgt ein großes Festmahl, bei dem ausgiebig geschmaust und gelacht werden darf, und anschließend treten die ältesten und erfahrensten Zauberer vor, um das Publikum zu unterhalten. Sie erzählen alte Geschichten und Legenden, indem sie durch Illusionszauber die Helden und Bösewichte vergangener Tage zum Leben erwecken und deren Taten mit Worten und Bildern erzählen lassen. Als krönender Abschluss wird dann ein riesiges Feuerwerk veranstaltet, welches jedoch gänzlich ohne Schießpulver und dergleichen auskommt. Nur mit Magie wird der Himmel in den buntesten Farben und mannigfaltigsten Formen erleuchtet, unterlegt durch tosende Musik, passende Explosionsgeräusche und Knalleffekte. Bis tief hinein in die Nacht geht das gewaltige Fest, doch sobald das letzte Licht in der Dunkelheit erloschen ist, müssen alle nicht magiebegabten Rhejvandari die Stadt verlassen und Wunabba kehrt zu seinem sonst so strengen Alltag zurück.
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