Salzschöpfer

In den Hafen- und Küstenstädten gibt es neben den üblichen Fischerei- und Schiffsbauberufen die Arbeit des Salzschöpfers. Die Männer, die diese Tätigkeit ausüben, wohnen meist unmittelbar am Meer. Auf diese Weise können sie dort direkt das Wasser entnehmen. Je nachdem wird das auf traditionelle Weise mit Holzeimern gemacht oder bei größeren Betrieben das Wasser mit Wasserrädern in ein großes Becken transportiert. Die Räder werden durch die Strömungskraft, die bei Flut entsteht, angetrieben. Bei Ebbe hingegen stehen sie still, was vorteilhaft ist, weil sonst zu viel Wasser in die Schöpferei transportiert wird. Das auflaufende Wasser zwischen Flut und Ebbe kann ebenfalls als Antrieb genutzt werden, wenn die Strömung stark genug ist, während beim auslaufenden Wasser ebenfalls pausiert wird. Es ist jedoch auch möglich, das Rad mit einem Keil zu stoppen, um weiteren Zufluss zu verhindern. Der Transport in das Becken erfolgt dann über eine Rinne, die mit dem Wasserrad verbunden ist. In den größeren Betrieben sind oft mehrere Becken aufgestellt, die ebenfalls untereinander mit Leitungen verbunden sind, um ein Überlaufen zu vermeiden. Insgesamt handelt es sich hierbei um ein System, was über viele Jahre immer wieder getestet und verfeinert wurde. So muss die Dicke der Leitungen genau auf die Wassermenge abgestimmt sein. Trotz allem beobachten immer ein oder zwei Mitarbeiter den Wassertransport, um gegebenenfalls eingreifen und die Räder stoppen zu können, sofern es erforderlich ist.
In diesen Rinnen sind kleine Siebe eingesetzt, die jeglichen Schlamm und anderen Dreck filtern. Diese müssen regelmäßig von den Mitarbeitern der Salzschöpferei gesäubert werden, um zu vermeiden, dass der Zulauf verstopft oder kleine Schmutzpartikel über den Rand mitgeschwemmt werden. Beim traditionellen Kleinbetrieb wird das Wasser vom Schöpfkübel durch ein entsprechend feines Sieb in das Becken gegossen.
Die restlichen Schmutzpartikel werden anschließend in der Wanne durch Zusatz kleiner Larven der Schlammkäfer herausgelöst. Diese Insekten leben an Land, legen jedoch ihre Eier im Wasser ab. Die geschlüpften Larven ernähren sich dann von Schlamm und Unrat, der sich im Wasser befindet, und säubern somit ihr Umfeld. Da diese Eigenschaft den Salzschöpfern sehr gelegen kommt, werden diese Tiere schon seit langer Zeit in diesem Bereich eingesetzt. Wenn die Insektenlarven satt sind, sammeln sie sich an der Wasseroberfläche des Wannenrandes und bilden so kleine Trauben, die der Salzschöpfer mit einer Kelle herausnimmt und später erneut zur Reinigung einsetzen kann. Das saubere Wasser wird nun in einen Kessel geschüttet und erhitzt. Der dabei entstehende Dampf wird durch ein Loch im Deckel des Kessels in einen Schlauch geleitet und abgeführt. Das am Kesselboden zurückbleibende Salz wird in Kisten und Säcke verschiedenster Größe abgepackt, während das Kondenzwasser in einem weiteren Becken aufgefangen wird. Es wird später in Krüge abgefüllt und dient als zusätzliche Einnahmequelle für die Salzschöpfer.
Das gesammelte Wasser kann als Trinkwasser genutzt werden und die Salzschöpfer haben so eine weitere Einnahmequelle durch den Verkauf von Trinkwasserkrügen. Der Trinkwasserverkauf wird vor allem in süßwasserarmen Gebieten getätigt, da die dort lebenden Rhejvandari auf diese Alternative angewiesen sind.
Pro Tag werden in den größeren Betrieben etwa 75-100 Liter Meerwasser geschöpft, hier laufen die Vorgänge teilweise automatisch ab und es können mehrere Becken gleichzeitig gefüllt werden. Der Ertrag liegt damit etwa bei 1,5 bis 3 Kilo Salz täglich. In den Familienbetrieben wird hingegen weniger Salz gewonnen und oftmals nur das eigene Dorf mit Salz und Trinkwasser versorgt.



Kammer des Handwerks