Gössler / Gösselbauer

Die Arbeit eines Gösslers besteht hauptsächlich im Anbau und der Weiterverarbeitung von Leimgössel, einer normalerweise wildwachsenden Getreideart, die vor allem auf Lundrea, aber auch in einigen anderen Gegenden Rhejvandars recht häufig anzutreffen ist. Auf einem Gösslerhof findet man in der Regel neben dem Wohnhaus und mehreren Getreidefeldern eine kleine Mühle sowie eine Scheune mit Trockenboden.

Die Wurzeln dieses Handwerks reichen ins Jahr 253 zurück. Bis dahin wurde Leimgössel nur hier und da von Farmern angebaut, da die getrockneten Samen für einige domizierte Tierarten, wie zum Beispiel die Coredons, verträglich sind und im Winter als vitaminspendende Futterergänzung gute Dienste leisten. Für die Speisemehlgewinnung ist dieses Getreide leider nicht geeignet, da seine Inhaltsstoffe bei den meisten Lebewesen zu schweren Verdauungsstörungen führen können. Zudem härtet mit Leimgösselmehl versetzter Teig nach dem Backen zu einer steinharten Masse aus und macht die Speisen somit ungeniesbar.
Doch gerade diese Eigenschaft, die nicht nur die Samen, sondern auch Stängel und Blätter aufweisen, macht das Getreide für die Gösselbauern erst interessant, denn die Pflanzen lassen sich hervorragend zu Kleb- oder Baustoffen verarbeiten.

Zum Ende der Sonnenzeit, wenn die Samen ausgereift sind, wird der Gössel geerntet und gedroschen. Die Körner werden als Tierfutter verkauft oder alle sechs bis sieben Jahre, wenn die Kraft der Mutterpflanzen erschöpft ist, als Saatgut zur Neuanzucht verwendet. Der Rest der Pflanze wird zunächst in große Holztröge geschichtet, die man anschließend mit Wasser auffüllt, da durch Feuchtigkeit die Leimstoffe freigesetzt werden. Nun wartet der Gössler einige Tage, bis die Pflanzenverwesung einsetzt, bei der sich besonders viel Leimstoff bildet, dann wird der Gössel aus dem Wasser genommen und zum Trocknen auf den Darren ausgebreitet. Anschließend wird das nun sehr spröde gewordene Pflanzenmaterial in der Gösselmühle zu feinem Pulver zermahlen, abgepackt und bis zum Verkauf an einem trockenen Ort gelagert.

Das fertige Gösselmehl muss zur Herstellung von Leim wieder mit Wasser verührt und gekocht werden. Der Klebstoff bleibt nur im warmen Zustand streichfähig und muss daher rasch verarbeitet bzw. warmgehalten werden. Einmal aufgekocht und wieder erkaltet ist der Leim hart und kann nicht wieder verwendet werden.

Die wichtigste Bedeutung hat das Gösselmehl jedoch im Bauhandwerkstum erlangt. Dabei erfreut es sich insbesondere in den hjalvischen Reichen beim Haus- und Burgbau immer größerer Beliebtheit. Hierzu werden verschiedene Gesteinsmehle zusammen mit dem Gösselmehl und Wasser in einem bestimmten Verhältnis zu einem dickflüssigen Brei vermischt, der dann in großen Bottichen über dem Feuer zum Kochen gebracht wird. Der heiße \"Steingössel\" wird in die Fugen gestrichen und härtet nach dem Abkühlen und Trocknen zu einer harten Masse aus, was den Bauwerken eine sehr hohe Stabilität und Haltbarkeit verleiht.



Kammer des Handwerks